Kapitalanlage: Diversifikation und Investmentfonds

Kapitalanlage: Diversifikation und Investmentfonds
 
»Lege nie alle Eier in einen Korb«, sagt ein Sprichwort und meint damit - übertragen in die Sprache der Finanzmärkte - dass man zu große Risikoanhäufungen bei Kapitalanlagen vermeiden sollte, damit im Falle von Kursrückgängen nicht allzuviel verloren ist. Im Prinzip bedeutet Diversifikation genau dies: die Aufteilung des Vermögens in mehrere möglichst unterschiedliche Anlageobjekte (Portfolio).
 
 Grundidee der Diversifikation
 
Ein diversifiziertes Anlageportfolio enthält mehrere Anlageobjekte, deren Renditen möglichst wenig miteinander korreliert sind. Im Extremfall von zwei Aktien mit einer Korrelation von -1 gilt: Immer dann, wenn Aktie 1 steigt, fällt Aktie 2 um den gleichen Prozentbetrag. Die Folge ist, dass die Renditen des Portfolios keinerlei Schwankungen um den Durchschnitt mehr aufweisen. Das Portfolio nimmt stetig und gleichmäßig an Wert zu und hat kein Kursrisiko mehr. Im Normalfall sind die einzelnen Anlageobjekte wie Aktien und Anleihen positiv miteinander korreliert, d. h., über einen längeren Zeitraum gesehen bewegen sich ihre Renditen in die gleiche Richtung, wenn auch nicht im gleichen Ausmaß. Mit nur einer Aktie ist das Risiko eines Aktienportfolios am größten und entspricht dem Risiko dieser Aktie. Die Hinzunahme weiterer Aktien reduziert das Risiko immer mehr. Allerdings nimmt die Risikoreduktion, die mit jeder neu hinzugenommenen Aktie bewirkt wird, ab. Wenn die Anzahl der Aktien sehr groß ist, dann entspricht das verbleibende Risiko ungefähr dem Risiko des gesamten Aktienmarktes. Dieses Risiko muss vom Anleger in jedem Falle getragen werden. Ein schlecht diversifiziertes Portfolio bürdet dem Investor dagegen ein unnötiges Zusatzrisiko auf, für das er langfristig auch nicht durch höhere Erträge »belohnt« wird.
 
 Arten von Investmentfonds
 
Investmentfonds werden von Kapitalanlagegesellschaften (KAG, Investmentgesellschaften) aufgelegt und gemanagt. Die rechtlichen Grundlagen im Gesetz über Kapitalanlagegesellschaften dienen v. a. dem Anlegerschutz. So müssen Investmentfonds eine ausreichende Risikodiversifikation aufweisen und getrennt vom Vermögen der KAG als Sondervermögen gehalten werden. Dadurch ist das Vermögen der Anleger vor missbräuchlichem Zugriff durch die KAG geschützt und bleibt den Anlegern unabhängig vom wirtschaftlichen Schicksal der KAG erhalten. Der Wert eines Fondsanteils (Anteilschein, Investmentzertifikat) ergibt sich aus der Division des Fondsvermögens durch die Anzahl der ausgegebenen Anteile. Es gibt viele verschiedene Arten von Investmentfonds. Zunächst ist nach dem Anlegerkreis zu unterscheiden. Bei Publikumsfonds ist der Anlegerkreis nicht begrenzt. Sie sind offene Fonds, da jederzeit neue Fondsanteile ausgegeben werden können. Bei einem Spezialfonds sind natürliche Personen als Investoren ausgeschlossen. Diese Fonds richten sich v. a. an Unternehmen und Stiftungen. Nach den Anlageobjekten werden die Fonds in Wertpapierfonds, Immobilienfonds und Altersvorsorge-Sondervermögen unterteilt. Wertpapierfonds können Aktien, Anleihen, Bankguthaben und Geldmarktpapiere sowie - in begrenztem Umfang - auch Optionen und Futures enthalten. Je nach Anlageschwerpunkt werden z. B. Aktienfonds, Rentenfonds, Geldmarktfonds und gemischte Fonds unterschieden, manchmal weiter differenziert nach Ländern, Regionen und Branchen. Immobilienfonds investieren in Immobilien und Grundstücke. Viele Immobilienfonds sind geschlossene Fonds, die nach einer Anfangsphase keine neuen Anleger mehr zulassen und nicht von einer KAG verwaltet, sondern als eigenständiges Unternehmen geführt werden. Die seit 1998 zugelassenen Altersvorsorge-Sondervermögen (AS-Fonds) dienen als Zielfonds speziell dem Aufbau von Kapital zur privaten Altersvorsorge. AS-Fonds dürfen Aktien, Anleihen und Immobilien enthalten und müssen z. B. mit zunehmendem Alter des Investors risikoreduzierende Umschichtungen in Anleihen oder Immobilien vorsehen sowie nach frühestens 18 Jahren Anlagedauer Auszahlpläne für die Rente bereitstellen.
 
 Nutzen und Kosten von Investmentfonds
 
Investmentfonds bieten den Anlegern die Möglichkeit, schon mit relativ kleinen Anlagebeträgen, z. B. auch durch monatliche Anlage (Investmentsparen), ein gut diversifiziertes Portfolio je nach Risikoneigung und Renditeerwartung aufzubauen. Weitere Vorteile sind die jederzeitige Veräußerbarkeit der Anteile sowie die fachmännische Verwaltung des Fonds. Für diese Leistungen berechnen die KAG beim Kauf einen Ausgabeaufschlag auf den börsentäglich ermittelten Anteilwert. Außerdem werden dem Anleger jährliche Managementgebühren berechnet. Die dem Fonds zufließenden Erträge (z. B. Zinsen, Dividenden) werden meist jährlich ausgeschüttet. Ein Nachteil von Fonds besteht darin, dass sie häufig eine schlechtere Wertentwicklung aufweisen als der Markt. Die Indexfonds sind eine Alternative: Sie bilden z. B. einen Aktienindex nach und weisen damit die gleiche Kursentwicklung wie der Index auf. Allerdings ist dann auch keine bessere Kursentwicklung möglich.

Universal-Lexikon. 2012.

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